Dorfmuseum
Uehrde

Uehrde,
Stadtdorf von
Osterode
am
Harz.

Dorfmuseum Uehrde
 
 

 
   
 
 
   
 
 
   
 
Uehrde:
Die Dorfgeschichte
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
 



Einiges über das Stadtdorf Uehrde


Uehrde – das kleine Dorf im Kreis Osterode mit derzeit knapp 80 Einwohnern ermöglicht seinen heutigen Besuchern, die vor allem anlässlich des Stoppelfestes das Örtchen besuchen, auch einen Einstieg in den Karstwanderweg. In der idyllischen waldreichen Umgebung lassen sich Teiche, typische Erdfälle und Bachschwinden entdecken. Landwirtschaft wird aktiv betrieben. Man findet mehrere Wildgehege. Ponys, schwarzbunte und robuste Rinder tummeln sich auf den Weiden. Nicht nur die bekannt gute Gastronomie im Landgasthof und im Café am Moosberg ein Bioland-Hofladen und sieben denkmalgeschützte Gebäude und ein kleines Museum machen Uehrde zu einem beliebten Ausflugsziel. Innerhalb des Dorfes, das durch die mit einem Dachreiter versehene Kapelle überragt wird, bewegt man sich auf Kopfsteinpflaster zwischen vielen Fachwerkbauten, die als Streckhöfe, aber auch als Wohnhäuser mit großen Scheuen und Ställen ausgeführt sind. Einige Bauerngärten sind noch erhalten. In ausgedehnten Brüchen wird Gips und Dolomit abgebaut.

Bekannt wurde Uehrde auch durch die Grabungen auf einem Acker in Richtung Schwiegershausen – vom Ort etwa zwei Kilometer entfernt. Vor 7000 Jahren siedelten dort bereits Menschen.


Aus der Geschichte

Bemerkenswert ist die Geschichte des kleinen Dorfes:

Unsere Vorfahren konnten sich nur da ansiedeln, wo ausreichend Wasser vorhanden und Ackerbau möglich war. In der Umgebung von Uehrde bestand und besteht daran kein Mangel. Bereits im Jahr 1105 wird Utheriche, das auch Uterithe gelesen werden kann, in einer Urkunde erwähnt. Diese Bezeichnung leiten Experten von Auerochsen = Uren ab, eine andere Deutung geht in Richtung Euterort. Wie dem auch sei – die Erklärung führt zum Rindvieh. Damals vermachte Dietrich III von Katlenburg dem von ihm gegründeten Kloster Katlenburg eine Hufe Land nahe dem heutigen Uehrde, [eine Fläche, von der eine vierköpfige Familie leben konnte]. Vermutlich bewirtschafteten zunächst Mönche oder Nonnen diesen Grund und Boden – die in der Uehrder Feldmark erhaltene Flurbezeichnung Klusberg, abgeleitet von Klause=Einsiedelei, könnte darauf hinweisen. Auch dort sind Quellen und Bäche vorhanden.

Es lebten hier die Herren von Uehrde, die dem niederen Adel angehörten und verwandt waren mit einigen Geschlechtern der Umgebung. Wie aus der Abschrift eines Dokumentes von 1311 zu ersehen ist, führten sie in ihrem Siegel eine Rose – das heutige Ortswappen erinnert daran. Das Grubenhagensche Lehen ging dann an die Familie von Mede[nhei]m. Nach dem Tod des Ludolph von Medem vermachte seine kinderlose Witwe, nach dem sie sich mit Heinrich Mützefal wieder verheiratet hatte, im Jahr 1447 das Dorf Uderde mit allem Zubehör – Kirchlehen, Höfen, Land und Wald, Gewässern, Wiesen und Weiden, ausgenommen den Zehnten in Höhe von 10 Rheinischen Gulden, - „…den Ehrsamen des Rats und Gemeinde der Stadt Osterode...“. Jeweils am Dreikönigstag erhielt Beate den vereinbarten Zins. Das Örtchen verlor damals seine Selbständigkeit und wurde zum Stadtdorf.

Ausgenommen von der oben beschriebenen Regelung blieben die Flächen, die Ludolph von Medem seinem Koch und seinem Kutscher vermacht hatte.

Bald danach bildete die Stadt als Eigentümerin sieben Höfe, die an Meier verpachtet wurden [Meier = großbäuerliche Pächter]. Sie bearbeiteten jeweils um 120 Morgen in der Dreifelderwirtschaft und hielten Vieh. Sie leisteten Hand- und Spanndienste, mussten der Stadt Osterode in Feuer- und Wassernot mit Gespannen beim Aufräumen helfen und waren zinspflichtig. Bei den Zinsfrüchten handelte es sich um Hafer, Gerste, Weizen und Roggen, dazu kamen Linsen und Erbsen, die seit 1754 in der Zehntscheune gesammelt wurden. Zunächst düngte man mit Kompost, Mist und Asche.

Ein Hirt hütete seit Ende des 16. Jahrhunderts zu festgesetzten Zeiten Pferde, Kühe und Schweine und ein Schulze wurde bestimmt. Er galt als Mittler zwischen beiden Vertragspartnern auf der Grundlage von Meyerbriefen. Der ernannte Bauermeister übernahm später die Aufgaben des Schulzen. Bald kam ein Lehrer hinzu, zunächst von der Osteroder Lateinschule gestellt, der nach dem Gottesdienst unterrichtete. Die Meier sorgten reihum für seinen Transport zu Pferde oder im Wagen und eine „anständige“ Mahlzeit. Später übernahm der jeweils ansässige Lehrer auch das Kantoren- und Organistenamt und hielt Lesegottesdienste. Er wurde größtenteils mit Naturalien bezahlt.

Alljährlich fanden Ratssitzungen im Dorf statt und zwar in der mit bleiverglasten Scheiben versehenen Ratsstube im Obergeschoß des Schulzenhauses, das möglicherweise der Sitz der Herren von Uderde gewesen war. Natürlich gehörte auch eine Bewirtung dazu – die alle Beteiligten sehr zu schätzen wussten. Einige Protokolle blieben erhalten und daraus geht hervor, dass sich die Meier manchen Tadel wegen ihrer Vieh- und Feldwirtschaft gefallen lassen mussten.

Nachdem die Verwendung von Kunstdünger [Mineralien oder in Gruben abgebaute Produkte wie Chilesalpeter] üblich wurde, erzeugten die Landwirte mehr Futter, was zu umfangreicherer Viehhaltung und dem Bau größeren Scheunen führte. Der Überschuss wurde verkauft.

Die ab 1886 begonnene Verkoppelung erleichterte die Bewirtschaftung, weil man Grundstücke zusammengelegt, begradigt, Gräben zur Entwässerung gezogen und Straßen befestigt hatte. Die bisherigen Meierfamilien, darunter Töpperwien, Dernedde und Sindram, die z. T. seit hunderten von Jahren im Dorf lebten, waren nicht mehr bereit, Teilflächen zu nun höherer Pachtsumme zu übernehmen. Sie hatten sich immer bemüht, Eigentum zu erwerben. Dieses gelang vor allem in den angrenzenden Feldmarken aber auch durch den Erwerb der ausgesparten Flächen (die einst Koch und Kutscher des L v. M erhalten hatten s. o.). Die einstigen Meier bewirtschaften fortan ihre eigenen Grundflächen, immer unterstützt von ledigen Männern und Frauen. Die Stadt Osterode jedoch bildete einen großen Pachthof, der vielen Familien Arbeit bot, womit sich die Anzahl der Schulkinder deutlich erhöhte. Nach Ende der 18-jährigen Pachtperiode übernahm 1904 der Oekonom Louis Sindram aus Förste den großen Hof und verpachtete ihn. Nachdem ein Großbrand Wohn- und Stallgebäuden vernichtet hatte, verkaufte die Stadt ihren Besitz an den letzten Pächter. Seine Nachkommen bewirtschaften den Hof heute nach ökologischen Richtlinien.

Uehrdes Einwohnerzahlen schwanken: 1675 sind 30 Einwohner auf sieben Meyerhöfen, im Schulzen- und Hirtenhaus sowie 12 Bedienstete belegt. 1795 lassen sich 11 Feuerstellen und 106 Einwohner auszumachen. 1842 zählte man 108 Seelen in 14 Häusern, darunter 12 Schüler; 1895: 165 Einwohner (der große Hof war inzwischen gebildet, der viele Familien ernährte)

1907: 184 Einwohner, 12 Bauern, 32 Schüler. 1949: 229 Einwohner, darunter 20 Schüler.

Die einklassige Vorschule wurde 1956 geschlossen. Die wenigen Kinder besuchen heute gewöhnlich Kindergärten und Schulen in Osterode.

 

Heute

Von den 12 landwirtschaftlichen Betrieben, die es um 1960 im Dorf gab, existiert derzeit neben dem Gut mit Bioland-Hofladen noch ein weiterer Vollerwerbslandwirt. Ein Schmuckgroßhandel ist ansässig. Dieser sowie das Gut, der Landgasthof und die Gips und Dolomit abbauenden Firmen beschäftigen zahlreiche Mitarbeiter.

Die Zehntscheune, die beiden gleichen Zweifamilienhäuser, die Kapelle, das Schulzenhaus, die ehemalige Gutsscheune – nach dem Großbrand zum Wohnhaus umgebaut, sowie das Gutshaus bilden ein denkmalgeschütztes Ensemble. Sehenswert ist auch das kleine, seit 1601 erwähnte Hirtenhaus.

Bemerkenswert ist, daß drei Gebäude einst andernorts standen. Man zerlegte sie und stellte sie in Uehrde erneut auf, was die von Zimmerleuten an dem Gebälk angebrachten Zeichen ermöglichten. So stand das sog. Gutshaus bis 1913 als Pastorenwohnhaus in Wulften. Eine große Scheune, versehen mit einem Krüppelwalmdach, soll sich um 1850 noch in Herzberg befunden haben. Eine weitere wurde erst vor wenigen Jahren auf dem Gut errichtet. Sie stand bis dahin nahe Dransfeld.

In der Kapelle, deren Anfänge in das 13. Jahrhundert datiert werden, gestaltet einmal monatlich ein Prediger der Osteroder St. Aegidien Marktkirche den Gottesdienst. Dazu erklingt eine Barockorgel, die zu den ältesten des Kreises gehört. Zwei Bronze-Glocken bilden das Geläut. Die ältere, immerhin 1487 gegossene und seit Urzeiten in Uehrde geläutete, wird seit 1952 von einer aus dem Jahr 1710 unterstützt. Diese stammt aus Krickau in Schlesien. Man hatte sie nach dem Krieg auf dem Hamburger Glockenfriedhof in Hamburg unversehrt entdeckt.

Uehrde gilt postalisch als Straße der Kernstadt Osterode. Es wird durch einen Ortsvorsteher vertreten. Die Bürgergemeinschaft Stadtdorf Uehrde e. V. und die Ortsfeuerwehr Uehrde - bereits 1894 gegründet - stärken durch Veranstaltungen wie das sehr beliebte Stoppelfest mit Kunstausstellung am Museum, den alljährlichen Wandertag, die Winterwanderung, die Weihnachtsfeier und das Weinfest die Dorfgemeinschaft.

Die Besucher des sei 22 Jahren bestehenden, mit 500 Exponaten zur Dorfgeschichte ausgestatteten Museums erfahren noch viel mehr über das kleine Dorf. Und auch bei einem Rundgang lässt sich weiteres entdecken.

 


Anmerkung: Dorfrundgang und Museumsbesuch sind nach Vereinbarung möglich.




Dezember 2014/Ingrid Kreckmann

 
 
 

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Uehrde - Luftaufnahme
Luftaufnahme von Uehrde
Stadtdorf Uehrde
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Uehrde - Dorfstrasse
Gänse auf der Uehrder Dorfstraße